Angriff auf Sachbearbeiterin – Jobcenter Köln

Submitted byKEA on5. April 2012 - 18:00

Am 17.4.2012 wurde der Artikel mit einer Anmerkung ergänzt.

Bereits im Juli 2011 kam es im Jobcenter Köln zu einem tätlichen Angriff auf eine Sachbearbeiterin. Ein Hartz-IV-Betroffener soll die Frau laut Schilderung des Kölner Stadt-Anzeigers vom 29.03.2012 an den Haaren gepackt, ihren Kopf auf den Schreibtisch geschlagen und einen Monitor nach ihr geworfen haben.

Das Gericht "verwarnte" den Mann, der nun wegen Körperverletzung vor Gericht stand, mit 100 abzuleistenden Sozialstunden und sprach von einem "einmaligen Ausrutscher", der Angeklagte selbst nannte es einen "Ausnahmezustand".

In diesem Zusammenhang verweisen wir nochmals auf einen Vorfall im Jobcenter Wuppertal, wo ein "Ausnahmezustand" aus generalpräventiven Erwägungen heraus 3 Jahre und 6 Monate Knast einbrachte.

Ohne die Vorfälle rechtlich bewerten oder miteinander vergleichen zu wollen, scheint es dringend und endlich angebracht, die generelle Gefahr individueller "Ausnahmezustände" im Zusammenhang mit Hartz IV entsprechend ernst zu nehmen.
Hartz IV konfrontiert Menschen mit Armut, mit Scham und existenziellen Ängsten. Hartz IV ist geeignet, einen ungeheueren Leidensdruck aufzubauen und die Sachbearbeiter der Jobcenter werden nicht immer in der Lage sein, eine psychische Anomalie[1] von Betroffenen rechtzeitig zu erkennen. Eine Kriminalitätsstatistik ähnlicher Vorfälle im unmittelbaren Zusammenhang mit Hartz IV wird aus "gutem Grund" nicht geführt. Es würde die Gefahrenlage und das Defizitäre der Sozialgesetzgebung offenbaren und präventiv dramatisieren.

Und so gelangen bei weitem nicht alle Übergriffe auf Leib und Leben von Jobcenter-Mitarbeitern, aber auch nicht die gesundheitlichen Auswirkungen bei Betroffenen an die Öffentlichkeit. Auch der Kölner Stadt-Anzeiger vermied es - warum auch immer - den Bericht seiner Online-Ausgabe zu zufügen.

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[1] Der Begriff "psychische Anomalie" entspricht weder im Wortgebrauch noch in der damit verbundenen Bedeutung dem, wofür die KEAs stehen.

"Anomalie" geht von einer Fiktion der "Normalität" aus. Ein Blatt Papier mit bestimmten Maßen kann genormt sein, ebenso eine Schraube oder sonstige, von Menschen geschaffene Dinge. Solche Normen können berechtigt sein.

Ein Mensch kann niemals Gegenstand von Normung sein. Wer will die Norm bestimmen, wer kontrollieren? Menschen können mit all ihren körperlichen, geistigen, seelischen, emotionalen und sonstigen Eigenschaften anderen Menschen mehr oder weniger ähnlich sein.

Messen kann man diese Eigenschaften, abgesehen von einigen wenigen körperlichen, wie Größe usw., nicht. Somit kann man nicht einmal einen Durchschnitt bestimmen und eine eventuelle Abweichung vom Durchschnitt (Normalität wird oft mit Durchschnitt verwechselt).

Es gibt einige Gruppen, die versuchen, das nicht Meßbare zu messen. Dazu gehören Soziologen, Psychologen und nicht zuletzt Wirtschaftswissenschaftler. Die Interessen, die dahinter stecken, sind wohl Allen klar.

Die KEAs gehören nicht zu diesen Gruppen!

Ich bin sicher, dass der Begriff "psychische Anomalie" eher einer Gedankenlosigkeit entsprang und keine Diffamierung bedeuten sollte.

Jochen