M31 – Geballte Wut beim europaweiten Aktionstag gegen Kapitalismus

Submitted byKEA on3. April 2012 - 20:30

Am 31. März zerstörten Unbekannte u. a. Türen und Fenster des Frankfurter Jobcenters über zwei Etagen. Ein Kommentar zu dem, was man sonst noch nirgendwo lesen kann.

Der 31. März 2012 wird der Finanzhochburg Frankfurt/Main noch lange in Erinnerung bleiben. Urplötzlich schlug das Wetter um und ein gewaltiger Sturm zog auf. Ein Sturm mit Ansage. Selbst die Polizei hatte davon gewusst, das Landeskriminalamt informierte zuvor schriftlich gefährdete Einrichtungen. Die Presse hingegen schwieg! Für sie gab es keinen Sturm und auch keinen europaweiten Aktionstag gegen Kapitalismus. Und sie schweigt heute wieder, als wäre nichts gewesen. Schon am dritten Tag nach den Ereignissen, erscheinen kaum noch aktuelle Meldungen darüber. Zuvor, also so ziemlich exakt zwei Tage lang, ist man medial geschlossen über den Linksextremismus hergezogen und reduzierte den Aktionstag auf einen größeren Polizeieinsatz, inklusive eines schwerverletzten Beamten und jede Menge Glasbruch.

Frankfurter Jobcenter über zwei Etagen entglast

Es gibt Bilder, auf YouTube einige Filme, aber alle bisherigen Veröffentlichungen reichen nicht an das tatsächliche Ausmaß der Zerstörungen heran. Wer Bilder besitzt, vom Frankfurter Arbeitsamt, dessen Türen und Fenster über zwei Etagen zu Bruch gingen, möge sie der KEA-Redaktion zukommen lassen!

Diese Bilder sind den Medien und ihrer Politik zu brisant, genauso wie eine ausgewogene Berichterstattung über eine antikapitalistische Veranstaltung.

„Wir müssen da rein!“

Den meisten der angereisten Demonstranten dürfte klar gewesen sein, dass die Baugrube der neuen Europäischen Zentralbank nun nicht gerade die Attraktion einer Demo schlechthin ist. Den meisten dürfte auch klar gewesen sein, dass sie einer Übermacht an Polizei gegenüberstehen werden.
Stattdessen aber wurde die Demo über weite Teile polizeilich in Ruhe gelassen. Wenn man dieser Einsatzstrategie keinen Dilettantismus unterstellen will, dann scheint der dabei entstandene (Sach-)Schaden womöglich zum Kalkül einer höheren Strategie zu gehören. Veröffentlichte O-Töne von Polizisten („Wir müssen da rein!“), die die angeordnete Zurückhaltung offenbar nicht nachvollziehen konnten, geben dieser (Verschwörungs-)Theorie Futter. Und da spielen die Medien wieder mit! Es geht darum, Kapitalismuskritik verächtlich zu machen und es dürfte fortan leichter sein, linke Demonstrationen mit dem Stempel „extremistisch“ im Vorfeld zu verbieten.

Alles kein Problem?

Dass man damit reale Zustände und ganz reale Wut verleugnet, kann schon wieder neue Wut erzeugen. Das bekannte Trauma nach jeder Demo, wenn man feststellen muss, dass die durchaus sachlich vorgetragene Kritik (es sprach u. a. Jutta Ditfurth) in den Medien kein Gehör findet. Dass die Demo und ihr Anliegen und dass man selbst eigentlich gar nicht stattfindet. Dieser Nichtbeachtung etwas entgegenzusetzen, schien das Konzept der Demonstration gewesen zu sein. Eine Notlösung, wenn man so will. Für 30 Sekunden Tagesschau und – wie gesagt – zwei Tage Presse. Journalistische Ausgewogenheit scheint hier dem Leitsatz unterworfen: „Überhöhe das Gewaltpotenzial und halbiere die Anzahl der Teilnehmer. Alles kein Problem, mit dieser Minderheit wird der Staat schon fertig, wenn man ihn nur lässt.“

Dabei waren längst nicht alle nach Frankfurt gekommen, die gern und aus dringendem Grund gekommen wären, sondern nur die, die sich trauten und sich das Fahrgeld leisten konnten.

In der Zeitung wird man es nicht lesen können

„M31“ ist ein europaweiter Zusammenschluss links-radikaler Gruppierungen, Organisationen und Basisgewerkschaften, die unter dem Motto: "European Day of Action against Capitalism" zu einem Aktionstag aufgerufen hatten. Etwa 6.000 Menschen folgten dem Aufruf nach Frankfurt, um ihren Unmut über die massiv forcierte Einsparpolitik im gesellschaftlichen und sozialen Bereich Luft zu machen. Diejenigen, die Griechenland kraft ihrer Macht, respektive Wassersuppe, dazu zwingen, sich gelinde gesagt tot zu sparen, wissen sehr genau von der Brisanz eines solchen Unterfangens. Um so zynischer ihr gewieftes Grinsen im Rahmen der medialen Gehirnwäsche.

Am 31. März 2012 hatte es symbolisch die vermeintlichen Paläste der vermeintlich Reichen getroffen sowie das Jobcenter als Organ der Repression gegen Erwerbslose. In Griechenland und überall da, wo Rendite, Zinsen, Aktien bzw. Papiergeld gerettet werden sollen, sind Arme und Ausländer die ersten Opfer. Jeden Tag ein wenig mehr.

Ob das Schaufenster des Kapitalismus nun wenigstens einen Kratzer davon getragen hat, man weiß es nicht und in der Zeitung wird man es nicht lesen können.


 

 
Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=eUtPJHtHJsU&