"Erwerbsloser" vor Kölner Gericht

Submitted byKEA on26. September 2011 - 0:05

Zum 30jährigen Jubiläum des Gerichtgebäudes in der Luxemburger Straße wurde im Rahmen des Tages der offenen Tür eine fiktive Gerichtsverhandlung aufgeführt. Alle Rollen in diesem Prozess wurden von ehemaligen oder aktiven Richtern bzw. Rechtsanwälten besetzt. Daran wäre eigentlich nichts auszusetzen, wenn das dargestellte Szenario nicht so klischeehaft und diffamierend gewesen wäre.

Angeklagt ist nämlich ein Alg2-Empfänger aus Köln, der am Ostermontag zwei Frauen die Handtaschen geklaut haben soll, um sich seinen Wunsch zu erfüllen, zum Ballermann zu reisen. Auch beim Äusseren des Angeklagten wurde tief in die Kiste der Vorurteile gegriffen. "Sein Hemd ist fast bis zum Bauchnabel aufgeknöpft, er trägt Goldkettchen und hat gelverschmierte Haare, in denen eine Sonnenbrille steckt." (Quelle: KStA vom 24.09.2011)
Und wie nicht anders zu erwarten war, ist der Erwerbslose natürlich schuldig und wird am Ende dieses "Schau-Prozesses" auch verurteilt.

Was lernen die zahlreich anwesenden Besucher, darunter auch viele Kinder, daraus? Welches Bild wird in ihren Köpfen verankert? Das des kriminellen Hartz-IV-Betroffenen, der sogar vor Raub nicht zurückschreckt, um sich auf Mallorca vollaufen zu lassen.

Die Vertreter der Kölner Judikative scheuen sich nicht, solche diskriminierenden Vorstellungen über Erwerbslose zu verbreiten und so die Gesellschaft weiter zu spalten. Damit sinken sie nicht nur auf das Niveau mancher Privatsender, sondern stellen sich auch in eine Reihe mit Clement, Sarazin oder Buschkowsky.

Ein demaskierender Einblick in das Gedankengut der 3. Gewalt in Köln. Dieser Einblick wiederum erscheint gut und wichtig, denn die Auseinandersetzungen um Hartz IV sind nicht nur strafrechtlich interessant, sondern eben auch politischer Natur. Und das zeigt dieses Schauspiel wunderbar!