Tatort ARGE

Submitted byKEA on8. Dezember 2010 - 1:00

Der "Tatort" ist die beliebteste Krimireihe im deutschsprachigen Raum, wozu massgeblich auch seine realitätsnahe Beschreibung der Zustände in dieser Bundesrepublik beigetragen haben mag. Eine gespielte Szene in der ARGE Köln sorgte nun für Unmut des ARGE-Geschäftsführers Müller-Starmann. Wird er den WDR verklagen?

Die am 05.12.2010 in der ARD gesendete Tatort-Folge "Familienbande" war mit einer Quote von 9,65 Mio. Zuschauern und einem Marktanteil von über 26% wieder mal der absolute Renner am Sonntagabend.

Neben dem Kriminalfall war auch noch eine Szene in einer Nebenhandlung der Geschichte bemerkenswert, in der die Tochter des Kommissars Schenk wegen ausbleibender Zahlungen die Kölner ARGE aufsuchen musste. Dort wurde ihr das ihr zustehende Geld mit der Begründung verweigert, dass noch Unterlagen fehlen würden, obwohl eine schriftliche Empfangsbestätigung über genau diese Unterlagen vorlag. Die zuständige Sachbearbeiterin (PAP) kanzelte die Hartz-IV-Abhängige mit den Worten ab: "Na ja, offenbar haben Sie ja Reserven. Sie sind ja im zurückliegenden Monat auch nicht verhungert, oder?" (O-Ton)

Zum Glück hatte die alleinerziehende Mutter eine Begleitung mitgenommen, die der PAP unmissverständlich klarmachte, dass, wenn die Angelegenheit nicht innerhalb einer Frist von 3 Tagen geklärt wäre, ihr eine Anzeige wegen Amtsmissbrauch und Urkundenunterschlagung drohen würde. Die ganze Szene endete mit den Worten: "Sie müssen sich wirklich nicht wundern, wenn Leute hier mal ausrasten." (O-Ton)

Dass sowohl ein Beistand zum Besuch der ARGE mitgenommen wurde als auch eine schriftliche Eingangsbestätigung über die Abgabe der Unterlagen vorlag, lässt darauf schließen, dass sich die Drehbuchautoren im Vorfeld sehr gut informiert haben und die Probleme und Realitäten der Betroffenen ernst nehmen.

Wir können nicht oft genug betonen, dass diese Vorsichtsmaßnahmen – auch wenn sie einigen vielleicht übertrieben erscheinen – nötig sind, um sich gegen Willkür und Schikane zu schützen.

Ob der Geschäftsführer der Kölner ARGE, Klaus Müller-Starmann, nun auch den WDR verklagen will oder ob er sein Mütchen nur dann kühlt, wenn Erwerbsloseninitiativen über die teilweise skandalösen Zustände in seiner Behörde berichten, ist zur Zeit nicht bekannt.

Der vollständige Film ist hier abrufbar. Die beschriebene Szene beginnt ab 0:46:58 min. Dank der grandiosen Gesetzgebung unserer geliebten Bundesregierung ist die Sendung aber nur noch 7 Tage nach Ausstrahlung und nur von 20:00 - 06:00 Uhr verfügbar.


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