Kalle – Ein Kommentar

Gespeichert von KEA am 16. April 2014 - 21:00

"Ich habe meine Wohnung verloren, aber ich habe unheimlich viel hinzu gewonnen." Das waren Kalles Worte zum Abschluss der Demonstration, die heute von seiner nun ehemaligen Wohnung zum Bahnhofsvorplatz in Köln marschierte. Die Zwangsräumung wurde vollzogen.

Bereits in der Nacht um 02:00 Uhr begann die Polizei, die Fontanestraße im Kölner Agnesviertel mit Hamburger Gittern und einem massiven personellen Aufgebot abzusperren. Kein Durchkommen für die solidarischen Demonstranten, die sich ab 05:00 Uhr versammelten und auf ca. 200 Personen anwuchsen.

Als der Gerichtsvollzieher vor dem Haus erschien, verteidigten ca. 20 Mitstreiter, die bereits am Vorabend ins Haus gelangten, noch tapfer, wenn auch eher symbolisch, das Treppenhaus. Die Demonstranten applaudierten den Leuten, die von der Polizei - zum Teil gefesselt - aus dem Haus getragen wurden. Einer von ihnen wurde während der Räumung verletzt und musste im Krankenhaus behandelt werden.

Zur richtigen Zeit, am richtigen Ort

Nach immerhin viermonatigem Kampf und einem Räumungsversuch, den die Entschlossenheit der solidarischen Mitstreiter tatsächlich erfolgreich sabotieren konnte, konstatierte Kalle heute realistisch: "Eine Zwangsräumung kann man letztlich nicht verhindern." Nicht, wenn der Gerichtsvollzieher in Begleitung gefühlter 300 Polizisten anrückt. Aber man kann Zeichen setzen. Kalle hatte sich dazu entschlossen und verdammt viel Nerven bewiesen.

Im Oktober letzten Jahres brachte er sein Problem auf die Soziale Kampfbaustelle mit und war damit zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Die daraus resultierende Solidarität ist es, die Kalle als bereichernden Gewinn bezeichnet. Zu Recht! Und auch Kalle ist ein Gewinn.

Stand up for your rights

Das mediale Echo, die Vielzahl auch prominenter Sympathisanten und das Engagement unserer Zusammenhänge sorgen für einen Wellenschlag, dass die kommunale Politik gar nicht mehr schnell genug rumrudern kann. Immer mehr von Räumung bedrohte Objekte und immer mehr Mietergemeinschaften organisieren und vernetzen sich.

Das zeigt, dass die Kampagne "Recht auf Stadt" keine Event-Erfindung irgendwelcher politisierten Aktivisten ist, sondern authentische Betroffenheit dahinter steht.
Stand up for your rights legte der "DJ der guten Laune" live zur Räumung auf, auch das Kölner Urgestein Rolly Brings bekundete seine Solidarität live und vor Ort und andere mehr.

Kalle hat seine Wohnung verloren, aber wir haben viel gewonnen.

Weitere Hintergründe bei zwangsräumung-verhindern.de