Jobcenter Köln geht in die Joboffensive

Gespeichert von KEA am 18. September 2012 - 14:08

Das Jobcenter Köln will in Arbeit vermitteln. Wer hätte das gedacht? Anders gefragt: Wer würde anderes erwarten? Was 2011 als 'Berliner Joboffensive' ausgerufen wurde, soll nun auch in Köln erprobt werden. Seit gestern, den 17. September 2012, startet in der Pohligstraße 3 in Köln-Zollstock die sogenannte Joboffensive.

25 Vermittler stehen dem Projekt zur Verfügung. Jeder von ihnen wird jeweils sechs Monate lang für nicht mehr als 100 Arbeitsuchende zuständig sein. (In den Standorten der Kölner Jobcenter ist die Anzahl bisweilen drei- oder vierfach höher.)

Die Beziehung zwischen Betroffenen und ihren persönlichen Ansprechpartner ist meistens eine rein verwaltungstechnische Angelegenheit. Schwerpunkt der beruflichen Biografie sind immer noch die Defizite, die es dann in Trainingsmaßnahmen, 1- oder 0-Euro-Jobs abzubauen gelte. Eine ganze "Industrie" sogenannter Maßnahmeträger, inklusive einem Heer Sozialarbeiter, lebt nicht schlecht von den vermeintlichen Defiziten der Betroffenen. Zwischenzeitlich weht der Wind in dieser Branche etwas rauer, der Erfolg solcher Maßnahmen liegt - in Sachen Integration auf dem ersten Arbeitsmarkt - meistens nicht auf Seiten der Teilnehmer. Das erkannte der Bundesrechnungshof – solche Maßnahmen kosten Geld -, das erkannte die Bundesagentur, das erkannte auch die Politik. Und jetzt scheint man sich auch in Köln zu fragen, wie man Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt effektiver gestalten kann.

Vorgeblich beinhaltet das Programm die passgenaue Vermittlung sogenannter "marktnaher Kunden". Damit sind dem Grunde nach alle Erwerbslosen gemeint, die erwerbsfähig und beruflich ausreichend qualifiziert sind und für deren Qualifikation es auf dem Markt tatsächlich auch Nachfragen gibt.

Vorgeblich geht es um nichts anderes als um Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt. Nicht um Trainings- und nicht um Erziehungsmaßnahmen.

Vorgeblich sei die Teilnahme am Programm der Joboffensive freiwillig.

Das Projekt dürfte demnach allen gefallen, die eine Arbeit suchen, nachdem kooperativ besprochen worden ist, welche Arbeit und zu welchen Konditionen. Missverständnisse oder die Missachtung der persönlichen Vorstellungen und Lebensumstände der Betroffenen führen nicht selten zu finanziellen Sanktionen oder gerichtlichen Auseinandersetzungen. Überflüssige Begleitumstände, die in Hartz IV systemisch veranlagt sind, aber echte Arbeitsvermittlung nahezu unmöglich machen. Die Joboffensive scheint das Eingeständnis zu sein, dass es nicht weiter gehen kann wie bisher.

Vertrauen ist gut ...

Bloß dumm, dass die KEAs zwischenzeitlich von einem Fall erfahren haben, wo Zwang per Verwaltungsakt angewendet werden soll, am Programm teilzunehmen. Unter Androhung finanzieller Sanktionen.

Bloß dumm, dass eben immer noch 'Hartz IV' drin ist, wo 'Jobcenter' drauf steht.

Kontrolle ist besser

Die KEAs waren für den heutigen Tag gerüstet und wollten vor Ort Kontakte mit betroffenen Erwerbslosen austauschen. Jedoch waren nur Sachbearbeiter zu sehen, die ihre neuen Büros übernahmen. Die KEAs wollen die Maßnahme kritisch beobachten und haben bereits einige Interessierte - quasi undercover - darin platziert. Dennoch sind wir unbedingt an Erfahrungsberichten anderer Betroffener interessiert. Bitte kontaktiert Die KEAs über das Kontaktformular.