Wir müssen draussen bleiben!

Submitted byKEA on9. November 2010 - 15:32

Am letzten Samstag fand die 11. Lange Nacht der Kölner Museen statt. Am folgenden Montag überbot sich die Kölner Lokalpresse mit ihren Erfolgsmeldungen über diese Großveranstaltung. Über 20.000 Menschen hätten die Gelegenheit genutzt und das Angebot wahrgenommen, die verschiedenen Kunstorte zu besuchen. So weit, so gut!

Was allerdings den Jubelpersern des DuMont-Verlags entging, war, dass bei diesem Event schon von vornherein bestimmte Gesellschaftsschichten, nämlich die mit wenig Geld, ausgeschlossen wurden. So prangt auf der Webseite der Museumsnacht deutlich der Hinweis: Ermäßigungen für Schüler, Studenten, Rentner etc. werden nicht gewährt. So weit, so diskriminierend!

Als einer der beiden Hauptveranstalter zeichnet sich die Stadt Köln verantwortlich. Dieselbe Stadt Köln, dessen Rat am 28.08.2010 in Bezug auf die Museen folgenden Beschluss gefasst hat:

Generell freien Eintritt in die ständigen Sammlungen auszuweiten auf alle

  • Unter-18-Jährigen KölnerInnen
  • SchülerInnen an allgemeinbildenden Schulen, Berufsschulen und Berufsbildenden Schulen
  • KölnPass-InhaberInnen
  • Besucherinnen und Besucher am Tage ihres Geburtstages. Diese Regelungen gilt nur für Kölnerinnen und Kölner.

Und trotzdem soll auf dem kulturellen Aushängeschild der Domstadt diesen sowieso schon finanziell benachteiligten Gruppen tief in die Tasche gegriffen werden? So weit, so unverständlich!

Eine am 04.11.2010 gestellte Anfrage an den Pressereferenten des zweiten Mitveranstalters (Stadtrevue) zum Thema "ermäßigter Eintritt" blieb bis heute unbeantwortet. So weit, so ignorant!

Aber halt – die Stadtrevue ist doch laut Wikipedia "1976 aus den damaligen sozialen Bewegungen entstanden" und "stellt [...] eine wichtige journalistische Alternative zur politischen Berichterstattung dar." Sie zählt also zu den Guten® und kümmert sich um die Belange der sozial Schwächeren. Demnach kann die Nichtbeantwortung der Presseanfrage mitnichten aus Arroganz oder Ignoranz geboren sein, sondern ist sehr wahrscheinlich der Arbeitsüberlastung des Verantwortlichen für die PR geschuldet.

Deswegen der Vollständigkeit halber hier noch einmal die Fragen:

  1. Warum schaffen Sie es nicht (trotz der vielen Sponsoren) einkommensschwachen Gesellschaftsschichten eine Ermässigung anzubieten, wie es z.B. auf vergleichbaren Veranstaltungen ("Lange Kölner Nacht der Technik") geschehen ist?
  2. Ist Ihnen bewusst, dass z.B. Erwerbslose nur knapp über 12 Euro/Tag zur Verfügung haben und sich solche Eintrittspreise einfach nicht leisten können?
  3. Möchten Sie damit einkommensschwache Gesellschaftsschichten von der Veranstaltung fernhalten?
  4. Ist, Ihrer Meinung nach, für diese Gesellschaftsgruppen Kultur nicht wichtig?
  5. Halten Sie diese Praxis nicht auch für diskriminierend?

Fazit:
Weder die Stadt Köln noch die Stadtrevue halten es für angebracht, sozial benachteiligten Gruppen die Teilnahme an der Langen Nacht der Kölner Museen zu ermöglichen. Sie nehmen damit zumindestens die weitere Ausgrenzung dieser Gesellschaftsschichten billigend in Kauf. Da brauchen dann auch keine Schilder mit "Wir müssen draussen bleiben!" aufgestellt werden. Das wird in der modernen Marktwirtschaft über den Preis geregelt. So weit, so asozial!