ARGE Süd und die Textbausteine

Submitted byKEA on22. Mai 2009 - 19:07

Wo Wut im Spiel ist, ist bisweilen auch Geschrei. Soziale Unruhe auf der zweiten Etage in der ARGE Süd. Andere verteilten derweil 100 Flyer an umstehende Betroffene und in den Wartebereichen, ihnen Mut zu machen, sich individuell oder eben gemeinsam zur Wehr zu setzen.

Wir haben von dem Vorfall in der ARGE Süd berichtet, als es darum ging, dass ein Betroffener im Rahmen der Nachreichung der Heizkostenabrechnung mit der vollständigen Einstellung der Leistungen (Alg2) bedroht wurde. Ganz schnell solidarisierten sich Freunde und Bekannte und liefen heute im ARGE-Standort Süd auf, demonstrativ darzulegen, dass derartige „Textbausteine“ unmittelbare Gegenwehr provozieren.

Die Sachbearbeiterin, die man heute eigentlich fristwahrend zur Rede stellen wollte, war im Urlaub, aber auch eine vertretende Kollegin zeigte nur wenig Verständnis für die Wut über einen „Textbaustein“. “Das ist, ...“, versucht es ihr jemand ganz niederschwellig und bildhaft zu erklären, "als würde ich Ihnen jetzt ein Messer auf den Tisch werfen und sagen: Ist nur 'n Textbaustein, machen Sie sich keine Sorgen.“ Wie Menschen mit derartigen Drohungen umgehen, wie viele schlaflose Nächte bis zur Klärung sie möglicher Weise zu ertragen haben, wie man sich fühlt dabei …, es interessiert sie nicht.

Statt dessen verweist die Sachbearbeiterin stets und ständig auf den geschützten Bereich ihres Backoffice (Leistungsabteilung), wo man Publikum in aller Regel nicht duldet. Innerhalb dieser Kontaktlosigkeit zu ihren so genannten „Kunden“ werden Menschen verdinglicht und da ist es nicht wichtig, welche verbale Ansprache man gegenüber einer BG-Nummer verwendet. Hauptsache es wirkt und ein Beschwerdeführer wird über die Eingangszone hinaus nicht weiter durchgelassen.

Insofern sind ARGE-Sachbearbeiter hart im Geben, aber auch im Nehmen, wenn's um unsere Kohle geht. Bei einer Konfrontation mit Betroffenen ihrer Repressalien jedoch brechen ihnen die Argumente weg, verweisen sie ganz schnell auf die Ausgangstür, auf die Politik und auf jene Textbausteine, die sie nun mal nicht ändern könnten. Das ist schlichtweg Quatsch! Und vielleicht bedarf es ja mal einer geeigneten Trainingsmaßnahme zum Thema kreativen Schreibens. Kurioser Weise gibt es offenbar auch einen anderen Textbaustein, der sagt: „... werde ich die Leistungen ganz oder teilweise versagen.“

Bei manch aneinandergereihtem Stuss, den Sachbearbeiter der ARGE bisweilen zu Papier bringen und der während der KEA-Beratung über den Tisch geht, haben wir schon sehr viel Kreativität ertragen müssen. Man kann nämlich sehr wohl – wer die Technik beherrscht – in vorgeschlagene Textbausteine eingreifen. Wirklich besser wird es dadurch leider auch nicht immer. Was haben wir schon herzhaft gelacht. Aber irgendwann ist denn auch Schluss mit Lustig!

Nebenbei bemerkt, konnte die ARGE aufzeigen, dass sowohl die laufende Leistung als auch der Bewilligungsbescheid für den Betroffenen heraus gegangen sind. Dem Begehren zur Übernahme der Mieterhöhung wurde offenbar entsprochen, der Betroffene wird – sowie er sie erhält – die Heizkostenabrechnung einreichen. Ein völlig überflüssiger Textbaustein also, der jedoch für berechtigten Wirbel sorgte!