Recht auf Stadt! Auch in Köln

Gespeichert von KEA am 29. April 2013 - 0:05

Auch in Köln vereinen sich zwischenzeitlich engagierte Menschen lose unter dem Überbegriff "Recht auf Stadt!" Ein wesentlicher Schwerpunkt hierbei sind freilich Themen, wie 'Wohnen' und (bezahlbarer) 'Wohnraum', aber auch Fragen, was uns Stadt bedeutet und was wir mit ihr anfangen können. Jetzt ging der sogenannte „Leerstandsmelder“ für Köln ans Netz. Ein ambitioniertes Projekt.

Die Inspiration und Unterstützung kommt aus Hamburg. 2009 hatten dort viele, viele Menschen in einem konzertierten Akt der Solidarität das historische Gängeviertel besetzt und somit vor dem sicher geglaubten Abriss gerettet. Nebenbei wurde auch der Wohnraum bereits gekündigter Mieter gesichert. Die Stadt Hamburg kaufte das Gelände und die bauliche Substanz vom Investor wieder zurück. Der Name der Initiative, "Komm in die Gänge!", darf durchaus mehrdeutig verstanden werden.

Köln ist nicht Hamburg

Gut, niemand hat gesagt, dass es einfach sein wird. Während sich in Hamburg zahlreiche namhafte Künstler und andere Kulturschaffende sofort und sogar mit Fernsehspots hinter die Initiative stellten, kann man in Köln beobachten wie halbherzig Stadt und Stadtbürgertum, inklusive ihrer etablierten VIPs, mit ihrem Autonomen Zentrum umgehen. Das einstige halbwegs soziokulturelle Zentrum "Rhenania" steht heute symbolisch dafür, wie sich Köln Stadtentwicklung vorstellt. Ein hübsch gemachtes Nest für professionelle Künstler. Mit Rhein- und Ausblick, nebst 1-Euro-Jobbern als Kloputzer, im Schatten der Kranhäuser. Ein Kloster, wenn man so will. Mit diesen Künstlern wird man in Sachen "Recht auf Stadt!" nicht rechnen können. Viele Kölner haben zwar gerade erst ihren Arsch huh bemüht, ihre 13 Bürgerzentren vor dem kommunalen Sparhammer zu retten, aber es ist zu befürchten, dass genau diese – wie der Name es sagt – bürgerlichen Zentren das Gegenargument der etablierten Stadt sein werden. "Was wollt Ihr überhaupt?" Vielleicht würde eine Schließung der Häuser ja mehr kreatives und visionäres Potenzial gebären. Vielleicht, vielleicht aber auch nicht.

Der Druck steigt

Preiswerter Wohnraum wird in Köln immer knapper, die Bedürftigen und Suchenden hingegen mehr. Erwerbslose, Studierende und jede Menge lohnarbeitende Menschen, die sich mit einem immer niedrigeren Gehalt abfinden müssen. Der Überbegriff, "Recht auf Stadt!", ist durchaus geeignet, die Wahrnehmung einer Gleichbetroffenheit vieler Menschen zu schärfen. Seit langem hat die Stadt Köln den sozialen Wohnungsbau und somit das Problem vernachlässigt. Der Leerstandsmelder könnte den Druck erhöhen. Auch auf die Stadt.

Aus dem Aufruf der Admin-Gruppe des Leerstandsmelders:

Wie in vielen anderen Städten auch, suchen Menschen nach bezahlbarem Wohnraum. Gleichzeitig stehen sehr viele freie Flächen, Gewerbe- und Wohnräume in privater und öffentlicher Hand leer. Um auf diese widersprüchliche Situation aufmerksam zu machen, bietet der Leerstandsmelder die Möglichkeit, Leerstände einer Stadt auf einer interaktiven Karte von allen Nutzer*Innen direkt und unkompliziert eintragen zu können. Außerdem "...entsteht nach und nach ein kollektiver und frei zugänglicher Daten- und Raumpool, unabhängig von städtischen Informationskanälen. Registrierte Nutzer*Innen des Leerstandsmelders können Informationen zu den Leerstandsgebäuden und Ideen zum konstruktiven Umgang austauschen." Wie Mensch sich als Nutzer*in registrieren lassen kann, erfahrt ihr hier: http://www.leerstandsmelder.de/koeln/users/sign_up.

Also macht mit und füttert den Leerstandsmelder mit Leerständen. Denn nur, wenn sich viele Leute beteiligen, erfüllt diese Seite auch ihren Zweck.