E-Mail an meine Sachbearbeiterin

Gespeichert von hansi hirsch am 9. März 2013 - 19:26

Liebe Frau Sachbearbeiterin,

zu allererst entschuldigen Sie bitte, dass ich Ihnen erst jetzt schreibe, bisher fehlte mir die Zeit und ich denke, dass die Kommunikation zumindest über meinen Anwalt mit Ihrer Behörde sehr gut läuft.

Zunächst möchte ich Ihnen erst einmal dazu gratulieren, dass Sie es nun endlich als eine/r von drei Sachbearbeitern fertig gebracht haben, mich zu sanktionieren, mein Existenzminimum anzugreifen und damit meine Grund- und Menschenrechte zu untergraben. Herzlichen Dank dafür, denn nur durch Sie ist es nun möglich den Klageweg gegen dieses Unrechtssystem "Hartz IV" zu beschreiten.

Loben möchte ich Sie auch für das von Ihnen zugestellte Stellenangebot in einer Künstlervermittlung. Ich war richtig überrascht mal ein Stellenangebot zugeschickt zu bekommen, welches KEINE prekäre Beschäftigung beinhaltet. Sie geben sich wirklich die größte Mühe mit mir. Leider gibt es wie überall im Leben auch hier zwei Haken:

1.) Ist die von Ihnen vorgeschlagene Tätigkeit im Bereich Oper vorgesehen und eine Begeisterungsfähigkeit für die Oper zwingend erforderlich. Leider haben wir uns bis jetzt noch nicht persönlich kennengelernt, so dass Sie nicht wissen können, dass ich mit dem Bereich Oper nichts anfangen kann. Zwar bin ich ein musikalisch wirklich sehr aufgeschlossener Mensch, jedoch hätten Sie mir im Bereich jüngerer Musikgenres eine größere Freude gemacht. Haben Sie vielleicht eine ähnliche Tätigkeit im Bereich Punkrock, Hip Hop, Liedermaching oder elektronischer Musik? Dies wäre besser geeignet. Da im Stellenangebot jedoch keinerlei Rechtsfolgenbelehrung zu finden ist gehe ich davon aus, dass eine Bewerbung freiwillig und somit auch sanktionsfrei, da nicht rechtskräftig ist. Sehr löblich, machen Sie weiter so :).

2.) Bin ich durch meine ehrenamtlichen Tätigkeiten nach wie vor sehr beschäftigt und habe für Arbeit im kapitalistischen Sinne leider so gar keine Kapazitäten. Der Kampf gegen Hartz IV und somit auch die Rettung der Grund- und Menschenrechte erscheint mir um ein vielfaches wichtiger und sinnvoller als die Büroarbeit in einer Künstlervermittlung. Auch in den letzten Wochen und Monaten begleitete ich viele Menschen ins Jobcenter, leistete Aufklärungsarbeit und Beratung und beteiligte mich an Aktionen um gegen die Misstände in unserer Gesellschaft aktiv zu werden. Auch betreibe ich schon seit einiger Zeit eine Seite bei Facebook um bundes- und sogar weltweit über die Missstände des deutschen Sozialsystems aufzuklären und Artikel zusammen zu tragen. Haben Sie Facebook? Dann klicken Sie doch bitte "gefällt mir", wenn es Ihnen gefällt. Meine Seite finden Sie hier:
http://www.facebook.com/EinHirschAufDerPirsch

Auch bin ich natürlich weiter ehrenamtlich in meiner Radiogruppe beschäftigt. So lag der Schwerpunkt der letzten Sendungen beim Marsch der Landlosen in Indien, welche es durch eine gewaltige Aktion fertig brachten auch dort für Ihre Menschenrechte zu kämpfen. Als nächstes Projekt plane und bearbeite ich gerade einen Beitrag für unser Magazin "grenzenlos - Magazin für Menschenrechte" über die Revolution der Flüchtlinge in Deutschland, welche am kommenden Sonntag Köln besuchen werden, um - Sie werden es sich schon fast denken können - sich ihre Menschenrechte erkämpfen.

Sie sehen also, ich bin durchaus sehr aktiv und keinesfalls einer dieser klischeehaften faulen, Bier trinkenden und RTL guckenden Erwerbslosen.

Wenn auch Sie etwas für die Grund- und Menschenrechte tun möchten, dann empfehle ich Ihnen den kürzlich erschienenen Film mit Inge Hannemann - einer wirklich mehr als vorbildlichen Sachbearbeiterin des Jobcenters in Hamburg. Schauen Sie nicht länger angstvoll weg, setzen Sie sich aktiv für die Rechte der Hartz-IV-Betroffenen ein und schließen sich dem Weg von Inge an. Auch sende ich Ihnen im Anhang dieser Mail ein Angebot samt Eingliederungsvereinbarung mit. Ich möchte Sie bitten, dies aufmerksam durchzulesen und mir ggf. unterschrieben zurück zu senden. Doch nun viel Spaß beim Film gucken:
http://www.youtube.com/watch?v=utfDH2czup0

Mit lieben Grüßen

Hansi Hirsch



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